Samstag, 19. November 2011

Runde 3 - Auto Dealer gegen Kunde

Nachdem ich bis 12 Uhr mittags immernoch nichts vom Dealer 1 gehört hatte, entschloss ich mich anzurufen. Natürlich kommt man dort nur bei der Empfangsdame an und diese teilte mir mit, dass besagter Dealer unterwegs sei. Ich bat sie ihm auszurichten, dass er mich sobald er wieder da ist anrufen solle. Weitere 1,5h später war aber immer noch nichts passiert. Ich rief wieder an und angeblich war der Dealer 1 immernoch im Kundengespräch. In mir wurde der Verdacht langsam erhärtet, dass man mich so lang wie möglich hin hält, damit ich mich dann nicht mehr anderweitig umsehen kann. Die Autohäuser schließen hier nämlich um 18 Uhr. Ungefähr zur gleichen Zeit schrieb mir der andere Dealer 2 per Mail. Ich dachte mir "Was soll's, versuchen kann ich es ja mal". Etwas übermütig antwortete ich auf seine Mail, dass er den Deal hat wenn er den gestrigen Preis des anderen Dealers unterbietet. Und schon klingelte mein Telefon - allerdings war Dealer1 am Apparat und teilte mir mit, dass sie den Preis von gestern halten könnten. Nun wusste ich aber die Antwort von Dealer 2 noch nicht. Ich meinte also, dass ich mich auf den Weg machen werde zu Dealer 1 (in der Hoffnung dass sich Dealer 2 sowieso nicht mehr melden würde oder den Preis nicht unterbietet). Doch kaum hatte ich aufgelegt, meldete sich Dealer 2. Er war weitere $100 heruntergegangen. Nun saß ich in der Klemme und ich fühlte mich sehr unwohl. Hatte ich dem anderen Dealer doch schon telefonisch zugesagt. Ich meinte am Telefon sein Autohaus sei weiter weg als der andere, und ich hätte mich schon auf dem Weg befunden zu Dealer 1 aber weitere $100 und ich würde zu ihm fahren. Nun $50 ist er nocheinmal heruntergegangen. Aber mehr ging nicht und dann kamen auch die berühmtberüchtigten Schuldgefühle, vor denen ich schon gewarnt wurden war "Er sei schon unter Invoice Price", "Ich hab gesagt wenn er den Preis unterbietet hat er den Deal" etc. (Das nächste Mal werde ich eine andere Formulierung wählen, so etwas wie: dann kommen wir ins Gespraech). Nun ich liess mich also hinreißen. Vom Verstand her war es die richtige Entscheidung. Dealer 2 hatte einfach den besseren Deal gemacht, dazu noch 1. Ölwechsel und Tankfüllung umsonst. Das sind weitere ca. $80. Aber moralisch fühlte ich mich dem Dealer 1 doch irgendwie verpflichtet. Außerdem war mir gar nicht klar, ob hier eine mündliche Zusage nicht schon verbindlich ist, schließlich wollten die das Auto für mich reservieren. Ich rief also wieder bei der Empfangsdame an, meinte sie hätten sich einfach zu langsam entschieden und ich hätte in der Zwischenzeit noch ein bessere Angebot bekommen. Natürlich wollte sie mich mit meinem Salesguy verbinden, aber da legte ich dann in der Warteschleife einfach auf.  Dennoch wollte ich mich vergewissern, dass ich hier nicht am Ende mit 2 Autos da stehe. Doch wen fragen? Meine Arbeitskollegen. Leider ging niemand ran. Brenda vom Interkulturellen Training - auch keiner da. Die Dame vom Destination Service - nur die Mailbox. Ein letzter Versuch bei Brenda und  - gott sei Dank ihr Mann ging ran. Brenda beruhigte mich erstmal und meinte es sei ok. Erst wenn man etwas unterschreibt sei man daran gebunden. Aber auch nicht wirklich, denn bei Autos kann man vom Kaufvertrag so lang zurücktreten, bis man mit dem Auto das Autohaus verlässt. Erst dann geht nichts mehr. Dealer 1 wird mich noch eine Weile per Telefon nerven, aber irgendwann geben die auch auf. Beruhigt, aber doch irgendwie sehr unwohl machte ich mich auf den Weg zu Dealer 2. Ich hatte vorher schon drauf bestanden, dass er mir eine kurze Mail schreibt, um sein Angebot zu untermauern, und so erwartete mich nun auch keine böse Überraschung mehr. Abgesehen davon, dass er das Auto nur mit einem US Führerschein oder einer Pennsylvania ID zulassen kann. Die ich noch nicht habe....
Als ich am Abend wieder zu Hause ankam, war ich froh dass der Tag vorbei war. Ich war immernoch ganz aufgewühlt. Und das Fazit? Nun ich kann anscheinend sehr gut handeln, denn immerhin bin ich unter Invoice und sage und schreibe $250 unter dem besten Deal der in meiner Gegend zur Verfügung stand. Nur das schlechte Gewissen muss ich noch ablegen. Dennoch hoffe ich, dass das der erste und letzte Autokauf für mich in den USA war.

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