Nachdem ich bis 12
Uhr mittags immernoch nichts vom Dealer 1 gehört hatte, entschloss ich
mich anzurufen. Natürlich kommt man dort nur bei der Empfangsdame an und diese
teilte mir mit, dass besagter Dealer unterwegs sei. Ich bat sie ihm
auszurichten, dass er mich sobald er wieder da ist anrufen solle. Weitere 1,5h
später war aber immer noch nichts passiert. Ich rief wieder an und angeblich
war der Dealer 1 immernoch im Kundengespräch. In mir wurde der Verdacht
langsam erhärtet, dass man mich so lang wie möglich hin hält, damit ich mich
dann nicht mehr anderweitig umsehen kann. Die Autohäuser schließen hier
nämlich um 18 Uhr. Ungefähr zur gleichen Zeit schrieb mir der andere Dealer 2
per Mail. Ich dachte mir "Was soll's, versuchen kann ich es ja mal". Etwas
übermütig antwortete ich auf seine Mail, dass er den Deal hat wenn er den
gestrigen Preis des anderen Dealers unterbietet. Und schon klingelte mein
Telefon - allerdings war Dealer1 am Apparat und teilte mir mit, dass sie den
Preis von gestern halten könnten. Nun wusste ich aber die Antwort von
Dealer 2 noch nicht. Ich meinte also, dass ich mich auf den Weg machen
werde zu Dealer 1 (in der Hoffnung dass sich Dealer 2 sowieso nicht mehr
melden würde oder den Preis nicht unterbietet). Doch kaum hatte ich
aufgelegt, meldete sich Dealer 2. Er war weitere $100 heruntergegangen. Nun saß
ich in der Klemme und ich fühlte mich sehr unwohl. Hatte ich dem anderen Dealer
doch schon telefonisch zugesagt. Ich meinte am Telefon sein
Autohaus sei weiter weg als der andere, und ich hätte mich schon auf dem
Weg befunden zu Dealer 1 aber weitere $100 und ich würde zu ihm
fahren. Nun $50 ist er nocheinmal heruntergegangen. Aber mehr ging
nicht und dann kamen auch die berühmtberüchtigten Schuldgefühle, vor denen ich
schon gewarnt wurden war "Er sei schon unter Invoice Price", "Ich hab gesagt
wenn er den Preis unterbietet hat er den Deal" etc. (Das nächste Mal werde ich
eine andere Formulierung wählen, so etwas wie: dann kommen wir ins Gespraech).
Nun ich liess mich also hinreißen. Vom Verstand her war es die richtige
Entscheidung. Dealer 2 hatte einfach den besseren Deal gemacht, dazu noch
1. Ölwechsel und Tankfüllung umsonst. Das sind weitere ca. $80. Aber moralisch
fühlte ich mich dem Dealer 1 doch irgendwie verpflichtet. Außerdem war mir gar
nicht klar, ob hier eine mündliche Zusage nicht schon
verbindlich ist, schließlich wollten die das Auto für mich reservieren.
Ich rief also wieder bei der Empfangsdame an, meinte sie hätten sich
einfach zu langsam entschieden und ich hätte in der Zwischenzeit noch ein
bessere Angebot bekommen. Natürlich wollte sie mich mit meinem Salesguy
verbinden, aber da legte ich dann in der Warteschleife einfach auf.
Dennoch wollte ich mich vergewissern, dass ich hier nicht am Ende mit 2 Autos da
stehe. Doch wen fragen? Meine Arbeitskollegen. Leider ging niemand ran. Brenda
vom Interkulturellen Training - auch keiner da. Die Dame vom Destination Service
- nur die Mailbox. Ein letzter Versuch bei Brenda und - gott sei Dank ihr
Mann ging ran. Brenda beruhigte mich erstmal und meinte es sei ok. Erst wenn man
etwas unterschreibt sei man daran gebunden. Aber auch nicht wirklich, denn bei
Autos kann man vom Kaufvertrag so lang zurücktreten, bis man mit dem Auto das
Autohaus verlässt. Erst dann geht nichts mehr. Dealer 1 wird mich noch eine
Weile per Telefon nerven, aber irgendwann geben die auch auf. Beruhigt, aber
doch irgendwie sehr unwohl machte ich mich auf den Weg zu Dealer 2. Ich
hatte vorher schon drauf bestanden, dass er mir eine kurze Mail schreibt, um
sein Angebot zu untermauern, und so erwartete mich nun auch keine böse
Überraschung mehr. Abgesehen davon, dass er das Auto nur mit einem US
Führerschein oder einer Pennsylvania ID zulassen kann. Die ich noch nicht
habe....
Als ich am Abend
wieder zu Hause ankam, war ich froh dass der Tag vorbei war. Ich war immernoch
ganz aufgewühlt. Und das Fazit? Nun ich kann anscheinend sehr gut handeln, denn
immerhin bin ich unter Invoice und sage und schreibe $250 unter dem besten Deal
der in meiner Gegend zur Verfügung stand. Nur das schlechte Gewissen muss ich
noch ablegen. Dennoch hoffe ich, dass das der erste und letzte Autokauf für
mich in den USA war.
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