Montag, 29. Oktober 2012

Mitten im Hurricane

Warten auf Sandy - verhungern werden wir nicht
Ab Montag 6 Uhr morgens sollte man es vermeiden mit dem Auto durch die Gegend zu fahren, da der Wind auffrischen würde. Meinem Chef hatte ich gestern Abend bereits mitgeteilt, dass ich von zu Hause bzw. vom Hotel aus arbeiten werde. Christine studierte und ich arbeitete, parallel hatten wir allerdings den Fernseher leise laufen, um über den Hurricane informiert zu werden. Delaware hat mittlerweile ein unter Strafe stehendes Fahrverbot rausgegeben und Obama hat die Emergency Situation für mehrere Bundesstaaten inklusive Pennsylvanias wo ich mich befinde ausgerufen. Michael Nutter (Philly's Bürgermeister) und NJ Governor Chris Christie hielten uns am Laufen und warnten davor den Sturm zu unterschätzen. Nun bis 16 Uhr hatte sich nichts weiter getan, über den Zeitpunkt und den Ort des Landfalls wurde weiterhin spekuliert und wir beschlossen noch einmal das Fitness Center zu nutzen solang wir noch warmes Wasser zum Duschen haben. Dann machten wir uns an die Vorbereitung: füllten Wasser ab für die Toilettenspülung, füllten noch Trinkwasser in unseren Britta Wasserfilter und ....warteten. Obwohl zwischenzeitlich der Landfall noch einmal vorgezogen wurden ist, trat dieser nicht dann ein. Wir nahmen also noch einmal eine warme Speise im Hotelrestaurant zu uns und  gegen 21 Uhr wurde es dann Ernst. Der Wind frischte auf und steigerte sich. Der Blätter des kleineren Baumes vor unserem Fenster spreizten sich waagerecht von den Zweigen im Wind. Um 10Uhr dann die Meldung von den anderen beiden Mitbewohner die zu Hause geblieben sind, dass der Strom weg ist. Da wir noch Strom hatten konnten wir die Liveberichte aus den New Jersey Küstenorten verfolgen, mittlerweile bewegte sich der Sturm wohl nur noch langsam vorwärts und angeblich hatte man um 23.30Uhr erst die Rückseite des Hurricanes an der Küste. Durch die Klimaanlage fand der Sturm auch seinen Weg in unserer Zimmer und machte dabei solch furchtbaren Pfeifgeräusche.
Irgendwann bin ich dann aber wohl doch eingeschlafen - allerdings immernoch mit normalen Sachen an, falls wir schnell aus dem Haus rausmüssen. 
Gegen 3 Uhr nachts wachte ich wieder auf. Ich schaute aus dem Fenster und draußen war es, verglichen zu vorher, fast Windstill. Ich wusste nicht so recht ob wir uns im Auge befanden, oder der Hurricane schon vorbei war, ob da noch was kam und vor allem welchen Schaden der Sturm bereits angerichtet hatte. Allerdings hatten wir immernoch Strom. Wenigstens was also googelte ich um Christine nicht aufzuwecken. Doch alles Informationen die ich fand waren von 23Uhr. Das half mir nicht weiter. Also schrieb ich Emails/Whatsapp Nachrichten nach Deutschland und bekam so von Familie und Freunden Updates was da draußen so vor sich ging. Wie sich später herausstellte hatte es auch einen Grund warum die Informationen so veraltet waren: das National Hurricane Center hatte bisher immer Updates zum Sturm bereitgestellt und anscheinend tun sie dass mindestens alle 3 Stunden. Nachdem Sandy allerdings ihren Landfall hatte, hat sie sich auch abgeschwächt und war nun kein Hurricane der Stufe  (der mindestens 75mph also 120km/h)  mehr sondern nur noch ein Tropischer Sturm mit ca. 73mph (117km/h). Etwas beruhigter schlief ich dann doch noch einmal ein. Am Morgen machte sich dann aber der extreme Druckabfall den so ein Hurricane mit sich bringt bei mir mit Kopfschmerzen bemerkbar. Von normalen 1015hPa fiel der Druck zeitweise auf 953hPa ab - Rekord für Philadelphia! Im Fernsehen sahen wir welche Spur der Verwüstung der Sturm angerichtet hatte. Meinem Auto ging es in dem überdachten Parkdeck auch noch gut und so konnte ich erstmal beruhigt wieder vom Hotel aus arbeiten. Die Offiziellen warnten immer noch davor jetzt mit dem Auto zu fahren oder spazieren zu gehen, da es viele umgestürzte Bäume und herabhängende, noch unter Strom stehende Kabel gäbe die erst beseitigt werden müssten. Glücklicherweise standen bereits Elektrounternehmen aus Kentucky, Lousisiana, Missouri und anderen Städten bereit. In der Tat standen einige bereits in der Nacht auf dem höhergelegenen Hotelparkplatz bereit auszurücken sobald der Sturm nachlässt. Und so konnten auch unsere Mitbewohner berichten, dass sie bereits am späten Abend wieder Strom hatten und auch ansonsten alles OK mit dem Haus war. Alles in allem scheinen wir in dieser Gegend noch einmal Glück gehabt zu haben, vielleicht auch weil wir uns genau im Zentrum des Hurricanes befanden.

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