Dienstag, 17. April 2012

Und täglich grüßt das Murmeltier

Am Montag hatten wir 32°C und ich konnte den Tag gemütlich auf unserem Deck ausklingen lassen. Unter den ganzen Topf-Palmen, dem Vogelgezwitscher und der Schwüle fühlte ich mich manchmal wie im Tropenhaus.
Als ich heute jedoch aus dem Fenster schaute, bot sich mir ein ganz anderes Bild. Denn da kroch und schnüffelte durch das waldliche Unterholz vor meinem Zimmer ein Murmeltier. Es scheint sich um das sogenannte Waldmurmeltier zur handeln, welches in der Nordhälfte der USA lebt. Eigentlich mögen Murmeltiere die Hitze ja nicht so, mich würde interessieren wo es sich also im Sommer aufhält.

Samstag, 17. März 2012

Cherry Blossom in Washington D.C.

Endlich ist es Frühling und das bedeutet, dass die Bäume und Blumen wieder blühen. Nachdem wir die letzte Woche mehrere Tage mit 22°C hatten, standen die Chancen also gut, dass ich doch noch das 100. Cherry Blossom Festival erleben kann. Ich habe meinen Tag in D.C. natürlich sorgfältig Vorausgeplant und alle Tickets bereits online gekauft, was in der Tat auch gut so war. Nachdem ich mir zu Hause mein Lunchpaket noch vorbereitet hatte, nahm ich 7.40 Uhr den Zug nach Philly. Auf der kurzen Fahrt geschah noch eine unangenehme Sache: einer Passagierin war wohl schlecht und besudelte die gesamten Sitze. Diese sind zwar abwaschbar aber so wurde das Problem nicht gelöst. Nein, die Frau wurde an der übernächsten Station raus geschickt, der Schaffner erspähte einen Gast der gerade das Lesen seiner Zeitung beendet hatte und fragte ob er diese haben kann. Damit deckte er dann den Ort des Geschehens einfach ab und hoffte, dass keiner der Passagiere auf die Idee kommt und die Zeitung wieder zusammenlegt und ich trotzdem dahin setzt. Lessons learned: meide Ausgebreitete Zeitungen. In Philly angekommen begab ich mich zur Bushaltestelle des Chinatownbusses. Ein Durcheinander wie ich es mir gut ich China vorstellen könnte. Der Bus war natürlich auch nicht pünktlich aber wirklich bis auf den letzten Platz besetzt. Einige Leute versuchten sich ohne Ticket einen Platz zu ergattern aber irgendwie wurden sie dann doch wieder identifiziert und vor die Tür gesetzt. Alle sind also nicht mitgekommen. Die Fahrt verlief dann größtenteils ohne Vorkommnisse und einem Stopp in Baltimore.
In Washington selbst hatten wir dann Stau und viele Straßen waren von der Polizei abgesperrt worden die nun den Verkehr umleitete. Dadurch und durch den verspäteten Start kamen wir 30 min später im Chinatown von Washington an. Ich machte mich gleich zu Fuss quer durch die Stadt auf in Richtung Tidal Basin, wo die meisten der japanischen Kirschbäume zu finden sind. Entlang der Mall, vorbei am Washington Monument hatte ich es nach 30 Minuten straffem Fussmarsch auch geschafft. Etwas gemütlicher setzte ich nun meinen Spaziergang fort. Das Wetter war mittlerweile herrlich: strahlender Sonnenschein und fast schon zu warm. Eigentlich hätte ich kurze Hosen gebraucht. Die Fotomotive waren auch super umrandet mit den vielen bereits blühenden Kirschzweigen.

Auch für mich gab es noch etwas Neues zu entdecken: das Martin Luther King Memorial welches erst seit kurzem in der Nähe des Lincoln Memorials am Tidal Basin eingeweiht worden ist. Ich setzte meinen Rundgang fort, denn als nächstes stand die Cherry Blossom Boottour auf dem Programm. Vom Washington Marina legten unser Ausflugsboot ab und fuhr den Potomac entlang. Die Sonne schien und strahlte die Stadt herrlich an. 90 Minuten bekamen wir Wissenswertes über Washington erklärt. Nach dem wir wieder das Ufer erreicht hatten, musste ich mich auch schon auf den Rückweg begeben.


Im Chinatown gönnte ich mir dann noch ein Eis bevor ich auf den Bus wartete. Dabei sprach mich ein andere Passagier an und fragte ob dies die Haltestelle sei. Aufgrund des schwer zu verstehenden Dialektes fragte ich ihn woher er denn kommt. Es stellte sich heraus, dass er aus Paris war und natürlich fragte er ob denn nicht Französisch spreche. Ich hätte wohl einfach nein sagen sollen, denn so stand mir eine Französische Konversation bevor und ich wurde diesen Herren nicht wieder los und natürlich verspätete sich der Bus auch wieder. Wieder hieß es, dass der Bus jeden Moment kommt. Als das endlich geschehen war setzte sich der Franzose auch noch neben mich...weitere 3 Stunden Französische Konversation. Doch was wurde das? Kaum waren wir eingestiegen in den Bus, legte der Franzose die Jacke ab und verschwand wieder um sich einen Kaffee zu besorgen. Ob das wohl so eine gute Idee ist? Es kam wie es kommen musste, der Busfahrer stieg ein, startete den Motor, schloss die Tueren und los ging es. Ich rang mit mir. Einerseits war ich froh den anhänglichen Franzosen los zu werden, andererseits tat er mir auch Leid und seine Jacke war ja auch noch im Bus. Ich entschloss mich zum Busfahrer zu gehen und ihm mitzuteilen, dass noch ein Passagier fehlt. Dieser fragte jedoch nur ob wir zusammen reisen und als er meine Antwort hörte winkte er genervt ab mit den Worten "Just the jacket? Ahr forget about it". Nun ich hatte meine Pflicht getan und wollte mich schon zurück auf meinen Sitz begeben. Just in dem Moment klopfte der Franzose aber an die Bustür und da wir gerade an einer Ampel standen, konnte er doch noch einsteigen. Irgendwie war ich dann aber doch  froh wieder in Philadelphia anzukommen. Da mein Zug erst in einer Stunde ging schaute ich mir noch einen Tanzworkshop im Convention Center an, wo u.a. die American Dance Academy auftrat.

Freitag, 2. März 2012

76ers vx. Golden State Warriors

Heute Abend stand das erste Sportevent auf dem Plan - natürlich nur als Zuschauer. Wir fanden uns ca. 45 Minuten vor Spielbeginn im Wells Fargo Center in Philadelphia ein, denn wir planten ganz amerikanisch und vor Spielbeginn mit Essen zu versorgen. Bereits am Eingang bekamen wir einen kleinen Bauklotz überreicht. Wir fragten uns schon was das soll, doch des Rätsels Lösung stand auf der Rückseite des dazugehörigen Papiers. Genau heute vor 50 warf Wilt Chamberlain (Philadelphia Warriors) die legendären und bis heute ungeschlagenen 100 Punkte in nur einem einzigen Spiel. Und der kleine Bauklotz den jeder in seinen Händen hielt ist ein Teil des damaligen Parketts aus dem Hershey Stadion auf dem das Spiel stattfand. Das Preis-Leistungsverhältnis war jedoch durchweg einfach schlecht. Nachdem obligatorisch die Nationalhymne erklungen war, ging es auch schon los.
Das Spiel an sich war interessant, aber auch die Atmosphäre drumherum war sehr interessant. Permanent standen Leute auf, holten sich während des Spieles Essen, die Anzeigetafel zeigte noch Filmausschnitte und auf dem Parkett wurde ganz unspektakulär schon wieder mit dem nächsten Viertel begonnen und zwischenrein wedelten die Cheerleader, tanzten Kinder auf dem Spielfeld oder wurden T-Shirts in die Menge geschossen. Die Halbzeitshow bestand natürlich aus der Würdigung Wilt Chamberlains, zu dessen Ehren seine Schwestern, der damalige Radiokommentator und anscheinend sämtliche Eigentümer der 76ers erschienen waren.  Nach dem Ende des 3. Viertels leerte sich dann auch schon das Stadion. Anscheinend hat es der Amerikaner recht eilig, wieder der erste am Auto zu sein, um nicht mit allen anderen im Stau beim Verlassen des Parkplatzes zu enden. Warum ich dann allerdings überhaupt die Tickets zahle wenn ich nur 3/4 nutze, ist mir etwas unklar. Das letzte Viertel fand ich nämlich am spannendsten.
Die 76ers setzten sich von den Warriors ab und schafften es sogar noch die 100 Punktemarke zu knacken. Mit 105:83 ging das Spiel dann zu Ende. Sportlich gesehen ein recht unspektakuläres Ende: während Kanonen Konfetti in die Luft schossen und die Siegesmusik für die 76ers erklang waren die Spieler schon verschwunden. Dann machten auch wir uns wieder auf den Rückweg und waren kurz vor 0:00 Uhr wieder zu Hause.    

Dienstag, 14. Februar 2012

Valentin's Day Party

Im Februar scheint sich alles nur um einen einzigen Tag zu drehen: den Valentinstag. Schon Tage im voraus sind die Restaurants ausgebucht und Geschenke und Süßigkeiten tauchen in den Geschäften auf.
Doch als ich heut Mittag in den Supermarkt ging, musste ich feststellen, dass dies tatsächlich noch getoppt werden kann. Der Parkplatz war bereits ungewöhnlich gefüllt und die meisten Menschen die ich sah liefen mit Blumensträußen herum. Doch im Supermarkt selbst übertraf man all meine Vorstellungskraft: und zwar mit unübersehbaren Ständen direkt im Eingang mit riesigen Luftballons, Blumenständen mit 5 Angestellten, einer Dame die Erdbeeren mit Schokolade überzog und überhaupt sah man überall nur rot...oder rosa. Noch ein bisschen länger und ich hätte Zweifel an meinem Augenlicht gehabt.
Am Abend fand dann bei uns zu Hause eine große Valentinstagsparty statt. Meine beiden Mitbewohner hatten ihre Komilitonen zu einer Potluck-Party eingeladen. Unsere Einfahrt wurde mit Teelichter in Tüten beleuchtet, die Eingangstür mit Herzen geschmückt und dann konnte es los gehen. Wie in den USA jedoch üblich dauerte die Party nicht allzulang (durchschnittliche Bleibedauer ist nach Studien 2.5h-3h). Nach 2.5 Stunden verließen die ersten das Haus und spätestens nach 3.5 Stunden waren dann alle wieder weg.
So und nun: Back to normality. 

Donnerstag, 2. Februar 2012

Networking mal anders

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen des Networkings.
Anfang Dezember sind wir mit der Abteilung ja umgezogen und zum ersten Mal sitzt nun die gesamte IT Abteilung unter einem Dach. Dies nahmen ein paar Kollegen zum Anlass und organisierten eine Potluck Party. Jeder der wollte konnte also etwas zum Essen mitbringen. Das Frühstück befand sich im ersten Flur, Hauptgerichte zum Mittag im 3. Flur, ebenso die Snacks, internationale Gerichte und Salate im 2. Flur. Das bedeutet: zu jeder Mahlzeit wurde man "gezwungen" in eine andere Etage zu gehen. Dabei sollte man sich natürlich nicht nur das Essen auffüllen sondern auch die anderen Mitarbeiter begrüßen und sich austauschen. Eine sehr gute Methode um sich kennenzulernen und ohne großen Aufwand und Kosten. Auf diese Weise lernte ich einige Kollegen kennen und traf "alte" wieder.
Doch damit war es noch nicht genug. Am Abend fand zufällig ein Treffen der "Next" Generation in der Nahe gelegenen McKenzie Brauerei statt. Vor allem junge Mitarbeiter treffen sich hier alle paar Wochen, um sich auszutauschen oder kleinere Events zu planen.

Dienstag, 24. Januar 2012

Was für eine Nacht

Eigentlich war es ein ganz normaler Tag. Die Temperaturen waren endlich mal wieder über 0 Grad Celsius und der Schnee taute aufgrund des warmen Regens. Üblicherweise fahre ich montags ja immer zum Chickenwings Essen nach West Chester, doch heute Abend wollte ich lieber nach Hause, um meine Erkältung richtig auszukurieren. Und das war auch gut so, wie sich später herausstellte.
Gegen 22 Uhr, ich lag bereits gemütlich in meinem Bett und surfte noch im Internet, kam ein Sturm auf (ok, vielleicht war er schon vorher da, aber da fiel er mir das erste Mal auf.) Er rauschte durch die riesigen Bäume die unser Haus umgeben und diese knirschten nur so. Dann 22.15 Uhr flackerten unsere Lampen kurz auf, es gab ein lautes krachendes Geräusch und dann....war es dunkel. Meine erste hastige Reaktion war das Schließen meines Notebooks - als ob das irgendetwas gebracht hätte. Nun immerhin war es bei mir nicht ganz dunkel, da ich beim Yankee Candle Schlussverkauf letzte Woche eine große Duftkerze gekauft hatte, die mein Zimmer nun in ein romantisches Licht getaucht hatte. Ich begab mich auf die Suche nach der Ursache. Im ersten Moment klang es, als sei bei meiner Mitbewohnerin im Zimmer ein Baum eingeschlagen. Diese stand auch schon auf dem Flur, erzählte allerdings in Seelenruhe weiter am Telefon mit ihrer Mutter. Auch die zweite Mitbewohnerin fand sich ein und schließlich Betty unsere Vermieterin. Immer auf die häufig auftretenden Stromausfälle gefasst, da so gut wie alle Stromleitungen oberirdisch verlaufen und daher bei jeder Kleinigkeit betroffen sind, hatten meine Vermieter natürlich eine große batteriebetriebene Lampe. Wir stellten fest, dass es wohl doch nicht so nah war wie es klang und alle Häuser um uns herum auch keinen Strom mehr haben. Nachdem wir also nichts an dem Sachverhalt ändern konnten, ging ich ins Bett. Wirklich schlafen konnte ich allerdings noch nicht, denn die Bäumen knirschten immernoch im Wind und unser im Bungalowstil erbautes Haus ist schließlich auch nicht das stabilste... Hinzukommt, dass kein Strom auch keine Heizung bedeutet und ich mir schon Gedanken machte wie die Temperaturen wohl über Nacht herabsinken werden. Irgendwann schien ich dann aber doch eingeschlafen zu sein, bis mich ein lautes Geräusch gegen 2 Uhr morgens weckte. Es klang als ob jemand im Untergeschoss angefangen hatte zu sägen. Nach einiger Zeit entschied ich dann aber dass es doch draußen sein muss und jemand vielleicht den umgefallenen Baum beseitigt. Gerade als ich meine Geduld verlor, bemerkte ich dass der Strom wieder da war und zu meiner Freude auch die Heizung. Ich muss sagen, dadurch dass es bei uns im Haus sowieso immer ziemlich kalt ist, habe ich fast gar nicht gemerkt, dass die Heizung die letzten 4 Stunden aus war.
Heute morgen bin ich dann langsamer durch unsere Nachbarschaft gefahren, da ich sehen wollte wo der Baum umgekippt ist. Außer ein paar Ästen war jedoch weit und breit nichts davon zu sehen...Sehr eigenartig.

Freitag, 20. Januar 2012

Wir haben einen Vogel

Oh ja, den haben wir. Als ich heute gerade meine Lunchbox auswusch bemerkte ich eine Bewegung hinter mir. Da ich wusste, dass außer mir niemand mehr im Haus war, schaute ich mich genauer um. Und da fand ich den Übeltäter auf dem Lampenschirm sitzend. Ein kleiner Vogel hatte sich in unsere Küche verirrt. Trotz einer ca. 14 minütigen Jagd durch die Küche, die dem Vogel anscheinend mehr Spaß machte als mir flog dieser nicht zur Terassentür raus. Im Gegenteil machte er sich auf dem Bilderrahmen direkt neben der Tür gemütlich und blickte heraus in die Kälte. Und kalt war es wirklich. Ich hatte genug und ging zum Aufwärmen zurück in mein Zimmer. 
Als ich merkte dass Sonya zurückkam, ging ich lieber in die Küche um sie zu warnen. Wir betreten unsere Etage ja immer durch die Terassentür in der Küche. Als ich sie mit unserem neuen Untermieter bekannt machte, hätte ich wirklich nicht so eine Reaktion erwartet. Der Vogel lag mittlerweile zusammengerollt und schlafend auf dem Lampenschirm und Sonya? Die sprang vor Angst gleich gegen die Wand und schrie laut um sich: "Mach es weg, ich möchte es nicht hier drinnen haben!" Sie wollte mit einem Mopp das arme Vögelchen von der Lampe stoßen, oder in einen Eimer. Bei diesen brutalen Methoden musste ich mir dann also doch ein Herz fassen. Ausgerüstet mit meinen dicken Skihandschuhen pirschte ich mich also an das Vögelchen heran. 
Doch genau in dem Moment als ich es anheben wollte, flog es davon. Sonya brach in Panik aus, so dass mir nichts weiter übrig blieb sie ganz aus der Küche zu verbannen. Eine Hilfe war sie hier ohnehin nicht. Für mich indes ging die Jagd in eine zweite Runde und der Vogel nutzte alle Möglichkeiten aus mir zu demonstrieren, dass er überall hinkommt: in die Schüsseln die zur Deko auf dem Küchenschrank stehen, hinter die Designergläser, ja sogar vor dem großen roten Bullen der aus irgendwelchen Gründen in einem Fach herumsteht hatte es keine Angst.  Außerdem habe ich mich dabei ertappt, wie ich mit dem Vogel englisch gesprochen habe. Ob der wohl auch deutsch verstanden hätte? Nach ca. 6 Minuten war es dann aber doch geschafft. Der Vogel war wieder in der (kalten) Freiheit und Sonya in unserer (nun auch kalten) Küche.